Mein persönliches Interface für die deutschsprachige Buch-Sammlung auf Gutenberg.org
Bei diesem Projekt habe ich drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.
Erste Fliege:
Ich lese gerne, auch alte Bücher, auch online; für deutschsprachige Bücher aus dem Projekt Gutenberg bin ich aber nie mit den angeboten Lesemöglichkeiten und dem "finden" von lesenswerten Büchern glücklich gewesen. Jetzt habe ich mein eigenes Interface, so wie ich es mir schon immer gewünscht habe. Die Vorschauen zeigen beim Hovern sofort einen kurzen Klappentext, in der Reader-Ansicht kann ich auswählen zwischen Scrollen und Blättern, die typografischen Einstellungen und die Textbreite sind so, wie ich sie als Leser angenehm empfinde und über das Inhaltsverzeichnis kann ich ein Buch schnell erschliessen. Ausserdem wird die Bibliothek per Default in einer Zufallssortierung angezeigt - es tauchen also immer wieder Bücher im Blickfeld auf, die sonst auf den hinteren Rängen verschwinden würden.

Zweite Fliege:
Mit diesem Projekt konnte ich ausgiebig meine Fähigkeiten und die Möglichkeiten mit KI etwas digitales zu erstellen testen und ausbauen. Entstanden ist das Projekt mit Manus.im, einem sehr vielseitigem AI-Assistenten der darauf ausgelegt ist, Aufgaben autonom zu erledigen. Eine davon ist die Erstellung von Websites und Apps. Normalerweise ist Claude Code dafür meine erste Wahl, aber Manus hat ein verführerisch einfaches Interface und eine recht passable Möglichkeit, Projekte auch zu publishen - dieses Projekt befindet sich auf gutenberg-navigator.de, es wird gehostet und verwaltet von Manus direkt. Der erste funktionsfähige Prototyp war innerhalb von 1 Stunde erstellt. Etwa 8 Stunden später war es dann auf einem Stand, den ich für veröffentlichungswürdig befand. Ich habe dabei keine einzige Zeile Code geschrieben, musste aber Manus immer wieder in die richtige Richtung führen.
Aber das eigentlich Learning: Die Zeit, in der man Websites mit CMS-Systemen wie Wordpress oder Typo3 pflegt, könnte sich dem Ende zuneigen. Das Interface ist künftig kein Dashboard mehr, sondern die natürlichsprachige Kommunikation mit einem KI-System.

Dritte Fliege:
Ich habe meine Kenntnisse zum Urheberrecht bei dieser Gelegenheit wieder auffrischen können. Während das Projekt Gutenberg in den USA anderen Fristen unterliegt, nach denen ein Buch in die Public Domain überführt werden kann, ist es in Deutschland unter Umständen noch urheberrechtlich geschützt. Zum Beispiel die Werke von Hermann Hesse, die in Deutschland erst 2032 gemeinfrei werden. Obwohl die Werke im Gutenberg-Navigator im Katalog erscheinen, sind sie deshalb nicht im Gutenberg-Navigator lesbar. Um diese kostenlos zu lesen muss man sich im besten Fall direkt in den USA oder einem Land mit vergleichbaren IP-Rechten befinden.
Lesetipp:
"Zum ewigen Frieden: Ein philosophischer Entwurf" von Immanuel Kant. Die Gedanken zu Themen, die uns heute noch beschäftigen sind so frisch und akut wie vor 3 Jahrhunderten (!). Aktuelle Stichworte: Irankrieg, Ukrainekrieg, Migration.

Aus der KI-Zusammenfassung:
Immanuel Kants "Zum ewigen Frieden" ist eine staatsphilosophische Abhandlung aus dem Jahr 1795, in der er die Voraussetzungen für einen dauerhaften Frieden zwischen Staaten darlegt. Das Werk ist in Form eines Friedensvertrags aufgebaut und gliedert sich in Präliminarartikel und Definitivartikel, ergänzt durch zwei Zusätze und einen Anhang. Kant diskutiert darin die Notwendigkeit republikanischer Verfassungen, eines Völkerrechts basierend auf einem Föderalismus freier Staaten und eines Weltbürgerrechts. Er analysiert die Rolle von Moral, Politik und der menschlichen Natur im Kontext internationaler Konflikte und Friedensbemühungen. Das Werk ist ein zentraler Text der politischen Philosophie der Aufklärung und beeinflusste spätere Konzepte internationaler Organisationen und des Völkerrechts.
Ein Zitat aus "Dritter Definitivartikel zum ewigen Frieden.":
»Das Weltbürgerrecht soll auf Bedingungen der allgemeinen Hospitalität eingeschränkt seyn.«
Es ist hier, wie in den vorigen Artikeln, nicht von Philanthropie, sondern vom Recht die Rede, und da bedeutet Hospitalität (Wirthbarkeit) das Recht eines Fremdlings, seiner Ankunft auf dem Boden eines andern wegen, von diesem nicht feindselig behandelt zu werden. Dieser kann ihn abweisen, wenn es ohne seinen Untergang geschehen kann; so lange er aber auf seinem Platz sich friedlich verhält, ihm nicht feindlich begegnen. Es ist kein Gastrecht, worauf dieser Anspruch machen kann (wozu ein besonderer wohlthätiger Vertrag erfordert werden würde, ihn auf eine gewisse Zeit zum Hausgenossen zu machen), sondern ein Besuchsrecht, welches allen Menschen zusteht, sich zur Gesellschaft anzubieten, vermöge des Rechts des gemeinschaftlichen Besitzes der Oberfläche der Erde, auf der, als Kugelfläche, sie sich nicht ins Unendliche zerstreuen können, sondern endlich sich doch neben einander dulden zu müssen, ursprünglich aber niemand an einem Orte der Erde zu seyn, mehr Recht hat, als der Andere.