Ich habe keine Antwort. Aber ich habe eine Website gebaut.

Ich habe keine Antwort. Aber ich habe eine Website gebaut.
Eine KI-Produktion: filmhistory.smartthings.de - wie haben sich Filmtechnik und Filmsprache gegenseitig bedingt und beeinflusst?

Vor ein paar Tagen habe ich hier gefragt, ob mein Job noch einer ist. Die Frage steht noch im Raum. Ich habe keine Antwort gefunden. Aber ich habe etwas gemacht, was ich immer mache, wenn ich nicht weiterkomme: Ich habe angefangen, etwas zu bauen.

Es fing mit einer ganz persönlichen Neugier an: Wie haben sich Filmtechnik und Filmsprache gegenseitig beeinflusst? Wie hat die Steadicam das Erzählen verändert? Was hat der Schnitt mit dem Zuschauer gemacht, bevor es CGI gab? Aber der Aufwand, das wirklich aufzuarbeiten – Recherche, Quellen prüfen, Struktur entwickeln, aufschreiben – das hätte Wochen gedauert. Wochen, die ich nicht habe. Ohne KI wäre die Frage in der Schublade gelandet.

Mit KI wurde daraus gleich eine Website: filmhistory.smartthings.de – eine interaktive Timeline zur Geschichte des Bewegtbildes, von der Camera Obscura bis zu KI-generierten Videos. Zweisprachig. 70 Quellen. Glossar. FAQ. SEO-optimiert. DSGVO-konform. Barrierefreiheit nach WCAG AA. Eine Website, die es ohne KI nie gegeben hätte.

Die komplette Website – Recherche, Texte, Faktencheck, React-Komponenten, Tailwind-Styling, Framer-Motion-Animationen – wurde von Manus generiert, einem autonomen KI-Agenten. Mein Job war ein anderer: Ich habe die KI gesteuert. 29 Commits lang. Jeder einzelne davon eine Korrektur, eine Optimierung, eine Entscheidung.

Ich habe dafür keine einzige Zeile Code geschrieben.

Was die KI gebaut hat

Eine vollständige Website. Technisch sauber, inhaltlich fundiert, mit einem Designkonzept namens „Dunkles Lichtspiel" – Dark Editorial Cinema, Amber-400 als Akzentfarbe, Cormorant Garamond und Lato als Schriftpaarung. Das hat die KI sich ausgedacht, aus drei Vorschlägen. Ich habe gewählt.

Die KI hat Quellen recherchiert, Fakten geprüft und fünf Fehler selbst korrigiert: Das Phénakistiskop war 1832, nicht 1833. Die erste Netflix-Serie war Lilyhammer, nicht House of Cards. So weiter. Hätte ich das alles von Hand gemacht? Mindestens drei Wochen. Konservativ.

Was ich gemacht habe

Ich habe mich um alles gekümmert, was die KI nicht von allein richtig macht. Und das ist eine interessante Liste, weil sie ziemlich genau beschreibt, was von meinem Beruf übrig bleibt:

Alle Inline-Styles raus, globales Stylesheet rein. Alle Amber-Varianten auf eine einzige Farbe vereinheitlicht. Textopazitäten entfernt, WCAG-Kontraste sichergestellt. Mindestschriftgröße 12px durchgesetzt. Google Fonts durch Self-Hosting ersetzt – kein CDN, keine Drittanbieter-Requests, DSGVO erledigt. Kein Tracking, keine Cookies.

Dann: Sticky Glossar-Filter. Back-to-Top-Button. Footer-Probleme gelöst – erst zu groß, dann nicht sichtbar, dann an der falschen Stelle. Favicon in allen Formaten. Sitemap, robots.txt, JSON-LD-Schema für FAQ und Organisation. Open Graph, Twitter Cards. Google Search Console verifiziert.

Und zum Schluss die Mobile-Optimierung: Footer static auf Mobile, Offcanvas-Navigation, Milestone-Kartenliste für kleine Screens, Hero-Typografie angepasst. Und die Nameserver-Einstellungen gesetzt um die Website erreichbar zu machen. Der ganze Code ist öffentlich auf Github.

Und jetzt versuche ich das zu verkaufen

Ich habe mein Angebot auf smartthings.de erweitert: Smarte Websites mit KI. Landingpages ab 936 Euro, Microsites ab 1.404 Euro, kleine Firmenwebsites ab 1.872 Euro. Statische Seiten, kein CMS-Ballast, versioniert in GitHub, gehostet auf der Infrastruktur des Kunden.

Mein Versprechen: Sie liefern mir Ihre Inhalte – auch unstrukturiert, auch unfertig – und ich mache daraus mit KI-Tools eine professionelle Website. DSGVO-konform, barrierefrei, responsive. Und der Code gehört Ihnen, komplett, ohne Vendor-Lock-in.

Für Kunden, die es selbst machen wollen, biete ich Coaching an: Wir richten zusammen Manus ein, ich bringe meine technische Erfahrung mit, der Kunde sein Fachwissen, und am Ende kann er seine Website selbst pflegen, ohne zum Techniker werden zu müssen.

Die ehrliche Einordnung

Ist das die Antwort auf meine existenzielle Frage vom letzten Beitrag?

Nein.

Es ist ein Spiel auf Zeit.

Denn was ich hier verkaufe – die Steuerung der KI, die Qualitätssicherung, das Domainwissen über DSGVO, Barrierefreiheit, SEO, Hosting-Infrastruktur – das wird nicht ewig mein Alleinstellungsmerkmal bleiben. Die Tools werden besser. Jeden Monat. Was ich in 29 Commits korrigiert habe, wird Manus in einem Jahr vielleicht von allein richtig machen. In zwei Jahren definitiv.

Ich habe mir die Commit-History angeschaut und mich gefragt: Welchen dieser Commits bräuchte es in zwölf Monaten noch? Die DSGVO-Compliance? Wird Standard sein. Die WCAG-Kontraste? Ein Flag im Prompt. Das Self-Hosting der Fonts? Ein Häkchen in den Einstellungen.

Was vielleicht bleibt: Die Fähigkeit, aus einem Kundengespräch herauszuhören, was der Kunde wirklich braucht. Und das ist nicht immer das, was er sagt. Aber auch das kann eine KI lernen. Nicht heute. Bald.

Warum ich es trotzdem mache

Weil Stillstand keine Option ist. Weil ich lieber auf Zeit spiele als gar nicht. Und weil dieser Zwischenschritt mir etwas zeigt, das ich vorher nur theoretisch verstanden habe: Mein Wert verschiebt sich. Weg vom Machen, hin zum Entscheiden. Weg vom Code, hin zur Steuerung. Weg vom Handwerker, hin zum Regisseur.

Ob das reicht? Keine Ahnung. Aber ich habe in 8 Stunden eine Website gebaut, für die ich früher drei Wochen gebraucht hätte. Das ist gleichzeitig beeindruckend und beängstigend. Beeindruckend, weil es funktioniert. Beängstigend, weil jemand anderes das auch kann. Bald jeder.

Mehr desselben?

Watzlawick hätte mich an dieser Stelle wahrscheinlich gefragt: Ist das, was du da machst, wirklich etwas Neues – oder mehr desselben?

Die Frage ist berechtigt. Ich baue weiterhin Websites. Nur schneller, billiger, mit einem anderen Werkzeug. Aber das Grundmuster ist dasselbe: Ich tausche meine Zeit gegen Geld, und das Werkzeug, das mir Zeit spart, können meine potentiellen Kunden auch nutzen um mich zu sparen. Ich optimiere innerhalb eines Systems, das mich gerade abschafft.

Mehr desselben ist keine Lösung, wenn das Problem systemisch ist. Und mein Problem ist systemisch. Also ist das, was ich gerade gemacht habe keine Lösung, noch nicht einmal im Ansatz.

Die eigentliche Frage hat sich nicht verändert: Was machen wir alle, wenn unser Wissen komplett in der Dose ist? Die Büchse der Pandora bleibt geöffnet.

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